Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen

Wir, die Hinterbliebenen von Inge(borg), müssen mit großer Trauer mitteilen, dass Ingeborg am 22.01.2019 für immer eingeschlafen ist.

Am Sonntagmorgen des 13.01.2019 wollte Inge mit ihrem Lebensgefährten Joachim zum Gottesdienst in die Reformierte Gemeinde fahren, hatte aber überraschend Herzprobleme bekommen.

Zur Behandlung sind sie in das UKE gefahren, wo Inge am gleichen Abend operiert wurde. Die Mediziner auf der Kardiologischen Intensivstation des UKE haben alle kurativen Möglichkeiten genutzt, aber nach über einer Woche waren die Schmerzen vorbei.

Ich möchte alle, die Inge mochten, dazu auffordern, eigene Beiträge auf dieser Webseite zu hinterlassen. Auf diese Weise teilen wir unsere guten Erinnerungen, die dann allen zur Verfügung gestellt werden.

Aufgeschrieben von Stephan.

Deine Liebe hat mich getragen

Am 19. Januar 2017 schicktest du mir das folgende Gedicht zum Neuen Jahr:

Liebe gibt nichts als sich selbst,
und sie nimmt nur von sich selbst,
Liebe besitzt nicht und will auch nicht besessen werden.
Liebe braucht keine andere Sehnsüchte,
ausser der Liebe,
denn der Liebe ist die Liebe genug.

Khalil Gibran
1883-1931
amerikanisch-libanesischer Dichter

Ich habe Dich heute gesehen

Schnell wollte ich mit der U3 in die Stadt zu einem Termin. Doch kaum war ich am Bahnsteig, da fuhr die Bahn ab – ohne mich. Ich war etwas ärgerlich. So stellte ich mich auf den Bahnsteig, den Gleisen abgewandt und las in der eben geholten Zeitung. Das war scheinbar so spannend, daß ich nicht merkte, daß eine neue Bahn einfuhr. Als ich mich kurz umwandte, sah ich daß die U-Bahn gerade losfuhr. Ich ärgerte mich noch mehr. Doch ich schaute in Richtung auf den Hamburger Michel. Da sah ich auf der Spitze einer Lampe eine schöne weiße Taube mit einem markanten etwas frechen Punkt hinter dem Auge. Sie lächelte – so empfand ich es – mich an. Auch ich mußte lächeln. Sie legte den Kopf etwas quer und schien mir etwas sagen zu wollen. „Ja, Ingeborg“, sagte ich zu ihr hin, „ich will mich nicht ärgern. Ich will Geduld üben. Danke, daß Du da bist“. Wir betrachteten einander, bis meine Bahn kam. Ich stieg ein und winkte ihr zu. Sie sah mir nach, bis sie aus meinem Blickfeld verschwand.

Ein Mann hatte einen Traum

Ein Mann hatte eines nachts einen Traum. Er träumte, dass er mit Gott am Strand spazieren ginge. Am Himmel zogen Szenen aus seinem Leben vorbei. Und für jede Szene aus seinem Leben waren am Strand Spuren im Sand zu sehen.

Als er auf die Spuren im Sand zurückblickte, sah er, dass manchmal zwei Spuren und manchmal nur eine Spur zu sehen war. Er bemerkte weiter, dass sich zu Zeiten größter Not und Trauer nur eine Spur zeigte.

Deshalb fragte er Gott: „Gott, ich habe bemerkt, dass zu den traurigen Zeiten meines Lebens nur eine Spur zu sehen ist. Du hast aber versprochen, stets bei mir zu sein. Ich verstehe nicht, warum du mich da, wo ich dich am nötigsten gebraucht habe, allein gelassen hast?“

Da antwortete Gott: „Mein lieber Freund, ich liebe dich und würde dich niemals verlassen. In den Tagen, in denen du am meisten gelitten und mich am nötigsten gebraucht hast, da habe ich dich getragen.“

So nimm denn meine Hände

So nimm denn meine Hände,
halte sie fest,
damit ich nicht untergehe
wie ein Ertrinkender,
damit ich nicht als Einsamer
zu verzweifeln beginne.
 
 
So nimm denn meine Hände
und führe mich,
damit ich mich nicht verirre
in der Wüste der Seele,
damit mich niemand verführe,
der mich ausnutzen will.
 
 
So nimm denn meine Hände
und führe mich,
damit mein Leben wieder
einen Weg gewinnt,
und ich dem Ziel,
das du mir setzt,
entgegen geh´.
 
 
So nimm denn meine Hände
und führe mich
Bis an mein selig Ende
Und ewiglich.

Tröstende Dämmerung

Die Dämmerung bricht nun herein.
Es ist so still, ich bin allein und sitze wie im Traum.
Im Grün rührt sich kein Lüftchen mehr,
ein grauer Mantel schwebt daher, legt sich um meinen Baum.
Und deckt den Baum der Träume zu
und bringt auch meinem Herzen Ruh,
die es so sehr ersehnt.
Dass es nicht mehr so traurig ist
und seinen Kummer heut’ vergisst,
dass es sich glücklich wähnt.
So sitz ich in der Dämmerung Schein
und wundervoll zieht Frieden ein,
dort draußen und bei mir.
Ich öffne meine Seele weit
und fühle in Geborgenheit:
Es liegt alles nur bei Dir.

Stehe nicht an meinem Sterbebett und weine.

Ich bin nicht dort.
Ich schlafe nicht.
Ich bin tausend Winde, die wehen.
Ich bin der Diamantenglanz auf dem Schnee.
Ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn.
Ich bin der warme Herbstregen.
Wenn du aufwachst in des Morgens Stille,
bin ich der Flügelschlag der stummen Vögel,
die über dir ihre Kreise ziehen.
Ich bin die sanften Sterne, die nachts leuchten.
Steh nicht an meinem Sterbebett und weine.
Ich bin nicht dort.

Ich schlafe nicht.

Wenn ich diese Brücke überschreite

Wenn ich diese Brücke überschreite 
wohin werde ich gelangen?
Wenn ich diese Brücke überschreite
was lasse ich hinter mir?
 
Die Erinnerung bewegt mich,
die Ungewissheit macht mir Angst.
Unsicherheit und Hoffnung halten sich die Waage.
 
Diese Brücke führt zu einem unbestimmten Endpunkt,
zu einem mir bestimmten Ziel.
 
Meine Hoffnung ist,
dass nahe stehende Freunde mich auf diesem
Weg begleiten.
 
Meine Hoffnung ist, dass der Weg über die
Brücke nicht ins Ungewisse und Leere führt, sondern dass ich gnädig und freundlich er-
wartet werde.
 
Ich wünsche mir, dass die Hoffnung stark genug ist,
diese Brücke getrost zu überschreiten.

Owes Gedenken

Inge, Owe und Joachim im Cotton Club

Liebe Ingeborg, auch ich vermisse Dich, sind wir uns doch gerade in den letzten Jahren näher gekommen, haben uns gegenseitig besucht und zu anderen Anlässen getroffen, fast immer zu Viert, mit Brigitte und Joachim.
Ihr seid gerne in den Cotton club gekommen, wenn ich dort mit meiner Band gespielt habe. Wir haben Euch in Joachims geliebten Järksvissle in Nordschweden besucht und haben schöne Tage dort mit Euch verlebt.
Mit Joachim hat Dein ohnehin schon sehr aktives Leben noch einmal einen besonderen, fast schon jugendlichen Schwung bekommen. Dein Elan hat nun ein abruptes Ende gefunden. Für Dich vielleicht segensreich mit nur kurzer Leidenszeit. Für uns Hinterbliebene sehr traurig.

Dein Owe

Leider ist meine große Schwester Ingeborg von uns gegangen.

Leider ist meine große Schwester Ingeborg von uns gegangen.
Als Kind hatte ich wegen des Altersunterschied von 11 Jahren wenig Kontakt mit ihr, aber als Erwachsene haben wir uns öfter gesehen. Ich habe ihre große Familie bewundert und sie hat sich für meine Auslandsaufenthalte interessiert.
Seitdem wir auch räumlich zusammengerückt sind, sie Uhlenhorst,
ich Winterhude, sahen wir uns viel häufiger, mal im Bus mal auf dem Wochenmarkt und bei längeren Kaffeerunden und sind uns auch näher gekommen.
Ich werde Dich vermissen, liebe Ingeborg.
Deine Schwester Brigitte

Meine liebe liebe Ingeborg!

Ich danke Dir für die wundervollen Jahre mit Dir seit Dezember 2011, als wir uns bei heiterem Julklapp in der Julestue bei unserem Pastor Thomas Raape kennenlernten. Wir schrieben uns gleich täglich Mails zwischen Hamburg und meinem geliebten Järkvissle in Schweden, wo Du mich sehr schnell besucht hast. Du wolltest es wissen! Ja, und seitdem waren wir ein Paar. Uns selbst im Miteinander lernten wir immer tiefer kennen. Sehr viel Schönes und Belebendes durften wir zusammen erleben, in unserer Kirchen-Gemeinde, mit unseren Familien und Freunden, auf vielen Reisen in Deutschland und quer durch Europa, besonders auf Reisen in mein „Zuhause“ in Järkvissle, bei zahllosen Konzerten und Vorträgen. Du warst immer sehr aktiv und ideenreich für uns und für viele andere. Wer einen von uns traf, fragte immer gleich nach dem Anderen. Wir waren eben auch in der Wahrnehmung anderer ein „schönes“ Paar.
Doch nun ist alles wieder ganz anders geworden. Du fehlst mir sehr.
Du bist fortgeflogen, wie ein schöner Vogel, dessen Flug meine Augen voller Sehnsucht begleiten – im Wissen und in großer Traurigkeit, daß Du nicht mehr zurückkehrst, doch auch in der frohen Gewissheit, daß wir uns wiedersehen im Himmlischen Jerusalem. Ich trage Dich in mir. 

Dein Joachim