Ich habe Dich heute gesehen

Schnell wollte ich mit der U3 in die Stadt zu einem Termin. Doch kaum war ich am Bahnsteig, da fuhr die Bahn ab – ohne mich. Ich war etwas ärgerlich. So stellte ich mich auf den Bahnsteig, den Gleisen abgewandt und las in der eben geholten Zeitung. Das war scheinbar so spannend, daß ich nicht merkte, daß eine neue Bahn einfuhr. Als ich mich kurz umwandte, sah ich daß die U-Bahn gerade losfuhr. Ich ärgerte mich noch mehr. Doch ich schaute in Richtung auf den Hamburger Michel. Da sah ich auf der Spitze einer Lampe eine schöne weiße Taube mit einem markanten etwas frechen Punkt hinter dem Auge. Sie lächelte – so empfand ich es – mich an. Auch ich mußte lächeln. Sie legte den Kopf etwas quer und schien mir etwas sagen zu wollen. „Ja, Ingeborg“, sagte ich zu ihr hin, „ich will mich nicht ärgern. Ich will Geduld üben. Danke, daß Du da bist“. Wir betrachteten einander, bis meine Bahn kam. Ich stieg ein und winkte ihr zu. Sie sah mir nach, bis sie aus meinem Blickfeld verschwand.

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